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| Lesben
in der Oberlausitz |
Hinter Dresden in Sachsen kommt Polen! Oder doch nicht?
Viele tragen ein weißes Fleckchen auf der inneren Landkarte, wenn
man sie auf den äußersten Osten Deutschlands anspricht. Tatsächlich
gibt es dort Leben (und auch Kühlschränke!!!) Und sogar lesbisches
Leben…
Die junge Lesbe zwischen 14-16 lebt heute offener, als noch
vor 10 Jahren. Sie meldet sich einfach in einer der regionalen Communitys
im Internet an (snapscout.de
oder schuelervz.de),
lässt vielleicht das Profilbild weg und gibt sich einen Nikename,
der sie anonym bleiben lässt. Als nächstes marschiert sie dann
aber schnurr gerade in eine der Homo-, Bi- und Trans-Gruppen, die die
Community hergibt und fängt an, Lesbe zu sein. Dabei lernt sie jede
Menge andere Mädels im gleichen Alter kennen und gemeinsam chatten
sie bei girlflirt.de
oder im lesarion.de
weiter.
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sie 18 sind, setzen sie alles daran nach Görlitz auf einer
der Schwubspartys
zu fahren. Die werden dort seid 8 Jahren von Schwubs – der
schwulesbischen Initiative für die Oberlausitz organisiert.
(schwubs.info).
Wenn das Geld reicht, düsen die Mädels nach Dresden zum
Girls-Club (girlsclub-dresden.de).
Dort sind alle wie sie: 18-25, frech, immer unglücklich verliebt
und spätestens um 2 Uhr betrunken. Aber es fetzt!
Wenn die Mädels dann
langsam Frauen werden und sich erfolgreich durch eine handvoll Beziehungen
geküsst und gelitten haben, werden sie ruhiger. Viele gehen
fort: Dresden, Berlin, Köln, Hamburg. Weg sind sie! Viele Möglichkeiten,
außer in der |
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Altenpflege oder der Gastronomie und Hotellerie gibt
es in der Region nicht. Zur Schwubsparty kommen alle dennoch regelmäßig
wieder heim. Wer da bleibt, geht zum schwul-lesbischen
Stammtisch oder fährt mit den schwulen Freunden mal nach Dresden
auf eine Think Pink Party (dresden-ist-pink.de).
Dort findet man zwar keine neue Freundin zwischen all den „Gabis“
aber frau hat Spaß mit den Jungs.
Wer mit Ende 20 noch keine feste Partnerin gefunden
hat, ist nach wie vor auf dem Girls-Club zu finden. Alle anderen gehen nur
noch dort hin, wenn ein Date aus dem Lesarion sich unbedingt ungezwungen
dort treffen will oder weil die Clique es so will. Die wird langsam zum
Lebensmittelpunkt. Gemeinsam leidet man, wenn ein Paar in der Krise steckt.
Bekommt eine ein Kind, bekommen es alle mit ihr. Alle wissen immer alles
besser und können sich schrecklich zanken. Nie jedoch ist es von Dauer
und beim nächsten Lagerfeuer am Bautzener Stausee sind dann alle wieder
vereint.
Partys werden weniger wichtig. Klar, der Schwubsparty bleiben
alle treu bis hinauf in die sechzig. Wichtiger aber werden schöne
Lesbenfilme
im Kino, mal ein Konzert von Cora
im schlagerverrückten Sachsen oder aber die Frauenkneipe in Dresden
(sappho-dresden.de).
In Frauenprojekten engagieren sich die wenigsten. Politisch
interessiert sind wenige und wenn, dann nicht vordergründig als Lesbe,
sondern eher als Fachfrau für Thema X. Der CSD in Dresden (csd-dresden.de)
ist zwar für viele Pflichttermin, jedoch nicht hauptsächlich
wegen dem politischen Anliegen. Die sehr viel größere Motivation
zum CSD zu gehen, rührt wohl daher, dort die ganzen alten Freundinnen
wieder zu sehen. Wer will dabei schon ein Transparent tragen?
Zum LFT
verirrten sich 2008 nur die politisch interessierten und kulturell informierten.
Die Durchschnittslesbe hatte am Pfingstwochenende keine Ahnung, dass der
monatliche Girls-Club plötzlich einer „lesbischen Veranstaltungsreihe“
angehörte.
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Wer
mit Ü30 noch Single ist, setzt alles an viele schöne Kaffee
Dates mit jeder netten Frau aus dem Chat. Kontaktanzeigen in Zeitungen,
wie sie Ende der 90er Jahre noch üblich waren zum kennen lernen
von Gleichgesinnten, sind eher out. Hauptsächlich funktioniert
es, das immer eine eine kennt, die eine kennt, die AUCH…!!!
Ist die passende Frau gefunden, werden sehr schnell Nägel mit
Köpfen gemacht: Jedes freie Wochenende muss zusammen verbracht
werden
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(Wochenendbeziehung sind es anfangs oft – die
Oberlausitz
ist nämlich richtig groß) oder man zieht schnell zusammen. Fortan
grüßt man sich all monatlich in der Gruß und Kuss Rubrik
der abbonierten
L-Mag.
Nicht immer verlaufen all diese Beziehungen Glücklich.
Da nimmt sich die Frau im Osten nichts vom Rest der Republik. Dennoch
bleiben viele Paare zusammen. Erst recht mit Mitte/Ende 40. Die Angst
herrscht vor, keine neue Liebe mehr zu finden. Im Lesarion dünnt
es sich erheblich jenseits der 35 aus. Auf Partys findet man nur die „übrigen“
und in den Kneipen sind alle chronisch vergeben. Eine verständliche
Angst also.
Wer mit Ü45 noch Single ist, organisiert sein
Leben anders: Sport, Karriere, Kinder und die Clique. Die anderen Single
Lesben beißen sich dann gern die Zähne aus an diesen zumeist
sehr attraktiven Frauen, die ihren Schwerpunkt leider aus dem lesbisch-sein
heraus verlagert haben.
Wenn man das alles weiß –
wie viele es in der Region sind, wie sie alle mit dir alt werden, wie
sie für dich da sind, wie immer neue dazu kommen – dann lebst
du gern in der Oberlausitz. Diesem Fleckchen Erde, was doch eher Regenbogen
bunt ist, als farblos. (Quelle: Conny
Kahle für den Lesbenring)
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